Vorsicht Betrug! Warnzeichen erkennen und sich schützen
Betrügerinnen und Betrüger nutzen oft gezielt das Vertrauen, die Hilfsbereitschaft oder die Unsicherheit älterer Menschen aus. Die Methoden verändern sich laufend: Neben klassischen Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick gibt es heute auch Schockanrufe, falsche Polizisten, Phishing-Mails, Betrug beim Online-Banking oder unseriöse Angebote an der Haustür.
Wichtig ist: Opfer von Betrug tragen keine Schuld. Die Täter gehen professionell vor, setzen Menschen unter Druck und nutzen Angst, Zeitnot oder Mitgefühl aus. Wer typische Warnzeichen kennt, kann sich und Angehörige besser schützen.
Die wichtigsten Grundregeln
Bei unerwarteten Anrufen, Nachrichten oder Besuchen gilt: ruhig bleiben, nichts überstürzen und keine persönlichen Daten, Passwörter, Bankkarten oder Wertsachen herausgeben.
Seriöse Behörden, Banken und Polizeistellen verlangen am Telefon niemals die Übergabe von Bargeld, Schmuck, Bankkarten oder Zugangsdaten. Bei Unsicherheit sollte das Gespräch beendet und die betreffende Stelle über eine offiziell bekannte Telefonnummer selbst kontaktiert werden. Das Bundesamt für Cybersicherheit empfiehlt bei verdächtigen Bankanrufen ebenfalls, sofort aufzulegen und nur über die offizielle Nummer oder App der Bank Kontakt aufzunehmen.
Wenn am Telefon, online oder an der Haustür Druck gemacht wird, ist Vorsicht geboten.
Legen Sie auf, klicken Sie nichts an, unterschreiben Sie nichts und fragen Sie eine vertraute Person oder die Polizei.
Enkeltrick
Beim Enkeltrick geben sich Betrüger am Telefon oder über Messenger als Enkel, Kind, Verwandte oder Bekannte aus. Oft beginnt das Gespräch mit einer vertrauten oder ausweichenden Formulierung wie: „Rate mal, wer dran ist.“ Danach wird eine finanzielle Notlage erfunden, zum Beispiel ein Unfall, ein dringender Kauf, eine Kaution oder eine unerwartete Rechnung.
Häufig soll das Geld nicht direkt von der angeblichen verwandten Person abgeholt werden, sondern von einem Boten oder einer angeblichen Vertrauensperson. Die Kantonspolizei Solothurn beschreibt genau dieses Muster: Am Ende wird eine dringende finanzielle Notlage vorgetäuscht und eine Drittperson zur Abholung geschickt.
So schützen Sie sich:
- Beenden Sie das Gespräch, wenn Geld verlangt wird.
- Rufen Sie die angebliche Person unter der Ihnen bekannten Nummer zurück.
- Geben Sie am Telefon keine Namen, Familienverhältnisse oder Vermögensinformationen preis.
- Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
- Informieren Sie Angehörige oder die Polizei.
Schockanrufe und falsche Polizisten
Bei Schockanrufen behaupten Betrüger, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht, sei verhaftet worden oder befinde sich in einer akuten Notlage. Danach wird eine hohe Geldsumme gefordert, angeblich für eine Kaution, Behandlung oder zur Abwendung schlimmer Folgen.
Eine ähnliche Masche sind sogenannte falsche Polizisten. Dabei geben sich Täter als Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht oder Sicherheitsdienst aus. Sie behaupten zum Beispiel, Ihr Vermögen sei gefährdet und müsse „in Sicherheit gebracht“ werden.
Die Kantonspolizei Schwyz warnt, dass Betroffene bei solchen Telefonbetrugsmaschen teilweise aufgefordert werden, Wertsachen oder Bargeld angeblich „zur Sicherheit“ der Polizei zu übergeben oder bei der Bank Geld abzuheben.
Wichtig: Die echte Polizei verlangt niemals, dass Sie Bargeld, Schmuck oder Bankkarten an der Haustür übergeben.
Um zu erfahren, wie hinterlistig und brutal so ein Schockanruf sein kann, gibt es gestellte Anrufe von der Polizei zur Aufklärung.
Hinweis: Auch ein nachgestellter Schockanruf kann belastend wirken – wie muss sich das anfühlen, wenn man selbst mit so einer Situation konfrontiert ist…
Betrug beim Geldbezug am Bancomat
Auch beim Geldbezug am Bancomat kann es zu Betrug kommen. Täter beobachten ältere Menschen, lenken sie ab oder bieten scheinbar freundlich Hilfe an. Manchmal versuchen sie, die PIN zu sehen, die Karte zu vertauschen oder nach dem Geldbezug Bargeld zu entwenden.
Achten Sie besonders auf diese Situationen:
- Jemand steht sehr nahe hinter Ihnen.
- Eine fremde Person bietet ungefragt Hilfe am Bancomat an.
- Sie werden während des Geldbezugs angesprochen oder abgelenkt.
- Der Automat wirkt manipuliert oder ungewöhnlich.
- Ihre Karte wird nicht zurückgegeben.
So schützen Sie sich:
- Verdecken Sie die PIN-Eingabe immer mit der Hand.
- Lassen Sie sich am Bancomat nicht von fremden Personen helfen.
- Brechen Sie den Vorgang ab, wenn Sie sich unsicher fühlen.
- Beziehen Sie grössere Beträge möglichst am Bankschalter.
- Nehmen Sie eine vertraute Person mit, wenn Sie sich unsicher fühlen.
- Sperren Sie die Karte sofort, wenn sie verloren geht oder eingezogen wird.
Online-Banking, Phishing und falsche Bankanrufe
Beim Online-Betrug geben sich Täter oft als Bank, Post, Behörde, Paketdienst, Steuerverwaltung oder bekannte Firma aus. Ziel ist es, Passwörter, Kreditkartendaten, E-Banking-Zugänge oder Bestätigungscodes zu erhalten.
Das Bundesamt für Cybersicherheit BACS beschreibt Phishing als Methode, bei der Kriminelle versuchen, Opfer zur Eingabe von Passwörtern oder persönlichen Informationen zu verleiten. Häufig führen Links oder QR-Codes nicht zur echten Website, sondern zu einer gefälschten Kopie.
Typische Warnzeichen:
- Eine E-Mail oder SMS fordert zu sofortigem Handeln auf.
- Sie sollen auf einen Link klicken oder einen QR-Code scannen.
- Sie sollen Login-Daten, Karteninformationen oder SMS-Codes eingeben.
- Die Nachricht enthält Drohungen, Zeitdruck oder ungewöhnliche Sprache.
- Die Absenderadresse sieht verdächtig aus.
So schützen Sie sich:
- Öffnen Sie E-Banking immer selbst über die gespeicherte Adresse oder die offizielle App.
- Klicken Sie bei Bankangelegenheiten nicht auf Links in E-Mails oder SMS.
- Geben Sie niemals Passwörter, PINs oder Bestätigungscodes am Telefon weiter.
- Installieren Sie keine Programme oder Apps auf Aufforderung fremder Personen.
- Melden Sie verdächtige E-Mails, SMS oder Websites dem Bundesamt für Cybersicherheit. Das BACS nimmt Meldungen zu Cybervorfällen wie Phishing, Investment-Betrug und anderen Vorfällen über ein Meldeformular entgegen.
Betrug an der Haustür und unseriöse Verkäufe
Beim Haustürverkauf oder bei unangekündigten Besuchen versuchen unseriöse Anbieter, ältere Menschen zu schnellen Vertragsabschlüssen zu bewegen. Es kann um Abonnemente, Reinigungsarbeiten, Dach- oder Gartenarbeiten, Versicherungen, Spenden, angebliche Kontrollen oder technische Dienstleistungen gehen.
Häufige Warnzeichen sind:
- Der Besuch ist unangekündigt.
- Es wird starker Druck aufgebaut.
- Das Angebot gilt angeblich nur sofort.
- Barzahlung wird verlangt.
- Es wird der Zutritt zur Wohnung verlangt.
- Die Person kann sich nicht glaubwürdig ausweisen.
- Verträge oder Kosten sind unklar.
So schützen Sie sich:
- Lassen Sie unbekannte Personen nicht in die Wohnung.
- Unterschreiben Sie nichts unter Zeitdruck.
- Zahlen Sie keine hohen Beträge bar.
- Verlangen Sie Unterlagen und prüfen Sie diese in Ruhe.
- Besprechen Sie grössere Anschaffungen mit Angehörigen oder einer Vertrauensperson.
- Bei Verdacht: Tür schliessen und Polizei informieren.
Was tun, wenn etwas passiert ist?
Wenn Sie glauben, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, handeln Sie möglichst rasch:
- Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und lassen Sie Karten oder Zugänge sperren.
- Ändern Sie Passwörter, wenn Online-Zugänge betroffen sind.
- Melden Sie den Vorfall der Polizei.
- Bewahren Sie Nachrichten, Telefonnummern, E-Mails, Belege und Kontoauszüge auf.
- Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson. Schämen Sie sich nicht.
In der Schweiz bietet die Opferhilfe Unterstützung für Betroffene. Seit dem 1. Mai 2026 ist die Opferhilfe schweizweit über die nationale Nummer 142 erreichbar.
Für Angehörige
Angehörige können helfen, ohne zu bevormunden. Wichtig ist ein offenes Gespräch über typische Betrugsmaschen. Sinnvoll sind einfache Abmachungen, zum Beispiel:
- Bei Geldforderungen immer zuerst zurückrufen.
- Keine Bankgeschäfte am Telefon.
- Keine Übergabe von Geld oder Schmuck an fremde Personen.
- Eine Vertrauensperson kontaktieren, bevor grössere Zahlungen gemacht werden.
- Telefonnummern von Bank, Polizei, Angehörigen und Karten-Sperrdienst gut sichtbar aufbewahren.
Weiterführende Informationen
- Schweizerische Kriminalprävention: Informationen und Prävention zu Betrugsmaschen.
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS: Informationen zu Phishing, Online-Betrug und aktuellen Cybervorfällen.
- Kantonale Polizeistellen: Prävention und Beratung zu Telefonbetrug, Enkeltrick und falschen Polizisten.
- Opferhilfe Schweiz: Beratung und Unterstützung für Betroffene.
